KUGELSICHER - DER COPCAST DER POLIZEI HESSEN

Transkript

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00:00:00: * Musik *

00:00:03: Fallaktiv 4-2-7-0.

00:00:05: Spiel mit dem Feuer.

00:00:07: Geschrieben von Nikolas Henne.

00:00:10: Produziert von "Watch Your Head".

00:00:12: Für Kugelsicher, der Kopfkast der Polizei Hessen.

00:00:15: * Musik *

00:00:18: Er war es gewohnt, zu warten.

00:00:25: Viele seiner Probleme hatten sich auf diese Art in Luft aufgelöst,

00:00:28: weil er sonst etwas dazutun musste.

00:00:30: Aber heute brachte es ihn an den Rand der Erschöpfung.

00:00:33: Seine Augen wanderten ruhelos in der Dunkelheit umher.

00:00:37: Das Fenster der kleinen Hütte, in der er seit mehreren Stunden

00:00:40: stillausharte, stand sperrangelweit offen

00:00:43: und ließ die kalte Novemberluft zu ihm hinein.

00:00:45: Es hatte gerade aufgehört zu regnen.

00:00:47: Und der Duft des reinigenden Regens hauchte ihm für kurze Zeit etwas Leben ein.

00:00:52: Immer wieder kämpfte er dagegen an, einzuschlafen.

00:00:55: Er spürte den Drang, sich selbst zu ohrfeigen,

00:00:57: damit der Schmerz ihn wachhielt.

00:00:59: Aber er musste unauffällig bleiben.

00:01:01: Niemand durfte wissen, dass jemand in der baufälligen Hütte saß.

00:01:05: Nur deshalb blies er das Fenster offen,

00:01:07: obwohl ihm die Kälte seine Kräfte raubte.

00:01:09: Mit zittrigen Händen zog er seine Jacke enger um sich

00:01:13: und ekelte sich in einer kleinen Nische ein,

00:01:15: verborgen zwischen achtlos abgestellten Möbeln und Kartons.

00:01:18: Von hier aus hatte er einen guten Blick,

00:01:21: durch das Fenster hindurch auf die andere Seite des Gartens.

00:01:24: Er beobachtete die Lichter, die noch immer

00:01:26: in den Etagen des Hauses leuchteten.

00:01:28: Die Gestalten, die sich in den Räumen bewegten,

00:01:30: warfen schwarzer Schatten an die Gardinen.

00:01:33: Er konnte nur erahnen, was vor sich ging.

00:01:35: Ein typischer Samstagabend, wie es schien.

00:01:38: Der Fernseher flackerte vor sich hin.

00:01:40: Eine Gestalt lehnte in seinem Sessel,

00:01:42: während die andere hin und her lief.

00:01:44: Eifrig, aufgewühlt, unruhig.

00:01:46: Vielleicht ahnte sie etwas?

00:01:48: Womöglich wusste sie, was passieren würde,

00:01:50: sobald sie die Lichter löschte und zu Bett ging.

00:01:53: Aber vielleicht redete er sich das auch nur selbst ein.

00:01:56: Sie konnte es nicht wissen.

00:01:58: Er saß auf dem Boden der verfolgten Gartenhütte

00:02:00: am anderen Ende des Gartens,

00:02:02: der in den letzten Jahren niemand mehr Beachtung geschenkt hatte.

00:02:05: Wieso also sollte nun irgendjemand ihm

00:02:07: und seinen Absichten Beachtung schenken?

00:02:09: Wie immer machte er sich zu viele Sorgen,

00:02:11: dass er aufschliegen könnte,

00:02:14: dass jemand herausfand, wer er wirklich war.

00:02:16: Seine Füße, die in schweren Lederstiefeln steckten, schmerzten.

00:02:20: Und auch das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer.

00:02:23: Vorsichtig beugte er sich vor,

00:02:25: hielt Ausschau nach den Lichtern.

00:02:27: Als er sah, dass sie noch brannten,

00:02:29: lehnte er sich enttäuscht zurück und schloss die Augen.

00:02:32: Nur für einen kurzen Augenblick,

00:02:34: um den Schmerz zu verdrängen, der von seinen Füßen zu ihm hinauf stieg.

00:02:38: Die beiden schlafen endlich.

00:02:47: Ich glaube, sie müssen den Tag erst mal verdauen.

00:02:49: So aufgeregt habe ich sie lang nicht mehr erlebt.

00:02:51: Lea schloss sanft die Tür hinter sich

00:02:53: und versuchte so leise wie möglich durch das Wohnzimmer zu schleichen,

00:02:57: was bei dem Dielenboden ihrer Altbauwohnung

00:02:59: eine kaum lösbare Herausforderung darstellte.

00:03:01: Trotzdem erreichte sie die Couch,

00:03:03: ohne das alte Holz zum Knazen zu bringen,

00:03:05: und ließ sich erschöpft auf die weiche Pholsterung fallen.

00:03:08: Dann griff sie nach einem der Weingläser,

00:03:11: die Henning aus der Küche geholt und großzügig gefüllt hatte,

00:03:14: während sie ihre gemeinsamen Zwillinge ins Bett gebracht hatte.

00:03:17: Sie nahm einen großen Schluck,

00:03:19: lehnte sich zurück und atmete erleichtert auf.

00:03:22: Dann schwieg sie.

00:03:24: Henning saß neben ihr und musterte sie sorgsam,

00:03:27: betrachtete ihren zierlichen Körper,

00:03:29: den sie in einem überweiten Pullover versteckt hatte,

00:03:32: ihre blonden Haare, die in ihr Gesicht hinabfielen

00:03:35: und bei jedem Atemzug umhergeweht wurden,

00:03:37: und ihre Hand, die auf ihrem Oberschenkel ruhte.

00:03:40: Er überlegte, ob er etwas sagen sollte,

00:03:42: ob er direkt mit der Entschuldigung anfangen sollte,

00:03:46: die er tagelang für diesen Moment geübt hatte.

00:03:49: Angefangen dabei, dass er sich wie ein verantwortungsvoller Idiot verhalten hatte

00:03:53: und alles dafür tun würde, um es wieder gut zu machen.

00:03:56: Möglicherweise war es aber auch besser,

00:03:58: wenn er nur über den Tag sprach,

00:04:00: den sie heute wie eine Familie verbracht hatten.

00:04:02: In der Fasannerie zwischen all den anderen Familien,

00:04:05: mit dem Unterschied, dass ihre Zwillinge kaum ein Wort rausbrachten

00:04:08: und einfach nur unsicher, aber hoffend ihre Eltern angrinsen,

00:04:12: während die anderen Kinder lauthalst durch die Gegend tobten.

00:04:15: Sehr zum Leidwesen ihrer Eltern, die es schwer hatten,

00:04:18: ihn hinterherzulaufen.

00:04:21: Henning spürte für einen Moment eine Erleichterung,

00:04:24: dass er nicht ebenfalls seinen Kindern

00:04:26: über die staubigen Wege hinterherrennen musste.

00:04:29: Er hätte keine gute Figur abgegeben.

00:04:31: Lea saß immer noch schweigend auf ihrem Platz, schwenkte ihr Weinglas

00:04:35: und fokussierte sich auf den flüssigen Inhalt,

00:04:37: der in Wellenform hin und her schwappte.

00:04:39: Auch sie schien nach den richtigen Worten zu suchen.

00:04:41: Also entschloss sich Henning, den ersten Schritt zu machen.

00:04:44: überschlugen sich seine Gedanken und es kam nur ein schwerer Seufze heraus.

00:04:48: laut genug, um Lea aus ihrer Gedankenwelt zu lösen.

00:04:51: Ach, was war das denn?

00:04:53: Henning lachte kurz auf, verstummte aber sofort wieder, aus Angst, ihre Kinder zu wecken.

00:04:58: Lea saß so weit weg, dass er das Gefühl hatte, zu laut sprechen zu müssen.

00:05:03: Also rückte er näher an sie heran.

00:05:05: Auf einmal wehte der Duft ihres Parfans zu ihm hinüber.

00:05:08: Lea blieb sitzen und lächelte ihn weiter an, auf eine Antwort wartend.

00:05:12: Das war der Herr Knoten in meinem Hirn.

00:05:14: Mir geht gerade so viel durch den Kopf, dass ich nicht weiß, womit ich anfangen soll.

00:05:18: Lea schaute ihn verständnisvoll an.

00:05:20: Ihre Hand lag immer noch auf ihrem Uberschenkel.

00:05:22: Und Henning unterdrückte seinen Wunsch, seine auf die Ire zu legen.

00:05:26: Ja, das geht mir auch so.

00:05:28: Es war halt ziemlich verrückt und abgedreht, aber auch sehr schön.

00:05:33: Hannah und Lea haben sich sehr gefreut, dass du so lange bei uns warst.

00:05:36: Sie wollten gerade gar nicht mehr aufhören zu erzählen.

00:05:39: Henning spürte einen tiefen Stich.

00:05:41: Bisher hatte er als Vater keine gute Figur gemacht.

00:05:44: Dabei hatte ihn niemand davon abgehalten, Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

00:05:48: Nur er selbst.

00:05:49: Wie immer schien Lea seine Gedanken lesen zu können.

00:05:52: Sie rückte näher an ihn heran und sprach beinahe flüstern zu ihm.

00:05:56: Nimm es nicht so schwer. Das war doch ein guter Anfang.

00:05:59: Sie werden dem jeden Fall eine zweite Chance geben.

00:06:01: Immerhin bist du ihr Vater.

00:06:03: Und selbst wenn du ein Idiot bist, werden sie dich immer abgetisch lieben.

00:06:07: Henning blickte auf und sah in Leas Augen.

00:06:09: Sie hielt seinem Blick stand.

00:06:11: Dann schaute er hinüber zu der Tür, hinter der Hannah und Leon friedlich schliefen.

00:06:15: Oder womöglich ihre Ohren gegen das Holz drückten, um zu lauschen, was ihre Eltern zu besprechen hatten.

00:06:20: Das wäre sehr schön.

00:06:22: Ich werde mich anstrengen, um es ab jetzt besser zu machen.

00:06:24: Henning spürte die Distanz, die zwischen ihnen beiden herrschte.

00:06:28: Er wusste, dass er ihr Vertrauen verloren hatte.

00:06:30: Und er hatte befürchtet, dass er auch das Vertrauen seiner Kinder für immer verloren hatte.

00:06:35: Zu sehen, dass es eine Möglichkeit gab, eines besseren Belehr zu werden, weckte Hoffnung in ihm.

00:06:40: Also ergriff er Leas Hand und rutschte noch weiter an sie heran, so dass sich ihre Schultern berührten.

00:06:46: Und bist auch du bereit, mir eine zweite Chance zu geben?

00:06:50: Mit einem heftigen Krachen schlugen die Fensterläden gegen das billige Holz der Gartenhütte.

00:07:05: Der Schreck riss ihn aus seinem Schlaf.

00:07:08: In Sekundenschnelle versuchte er, sich einen Überblick zu verschaffen.

00:07:11: Doch in der nächtlichen Dunkelheit sei er nicht mehr als die schemenhaften Umrisse der Möbel,

00:07:16: Kartons und anderen Habseligkeiten, die um ihn herum aufgetürmt waren.

00:07:20: Gegen all seine Bemühungen hatte ihn der Schlaf doch noch übermand.

00:07:24: Sein Blick auf die Uhr verriet ihm nichts Gutes.

00:07:26: Das Zeitfenster für sein Vorhaben war auf ein notwendiges Minimum geschrumpft.

00:07:30: Vorsichtig kroch er auf dem klammen Boden hinüber zum Fenster,

00:07:34: um einen besseren Blick auf das Haus zu haben, das nun vollkommen im Dunkeln lag.

00:07:39: Endlich!

00:07:40: Er hob seine Tasche auf, die er mitgebracht hatte,

00:07:43: und die bis auf eine Taschenlampe, einen Dietrich und einen Schlagstock vollkommen leer war.

00:07:48: Noch!

00:07:49: Den Dietrich steckte er in seine Jackentasche,

00:07:52: während er den Schlagstock an sich nahm und einsatzbereit hielt.

00:07:55: Dann stieß er vorsichtig die Tür auf und stapfte hinaus.

00:08:01: Die Kälte hatte nachgelassen.

00:08:03: Dafür schlug ihm nun ein kräftiger Wind entgegen,

00:08:06: der auch die umstehenden Bäume in Zwang und brachte.

00:08:09: Hinter ihm hörte er, wie der Fensterladen unaufförlich umhergeschleudert wurde.

00:08:14: Und er fing an zu hoffen, dass er der einzige war, der durch diesen Lärm geweckt wurde.

00:08:19: Mit schweren Schritten kämpfte er gegen den Wind an

00:08:22: und schleppte sich mit seinen schweren Stiefeln über den durchnesten Rasen.

00:08:25: Er erreichte die Kellertür, die neben einem unachtsam aufgeschütteten Holzstapel versteckt lag,

00:08:31: und holte seinen Dietrich heraus.

00:08:33: Mit einer geübten Handbewegung ließ er das Türeschloss aufschnappen.

00:08:37: Dann nahm er die Taschenlampe aus seiner Tasche und verschwand im Inneren des Hauses.

00:08:41: In dem Moment, als er die Tür hinter sich schloss,

00:08:44: begann im Obergeschoss eine Lampe zu leuchten.

00:08:47: Der Schatten einer Gestalt näherte sich der Gardine und schob sie beiseite.

00:08:52: Auf der Suche nach der Quelle des unerträglichen Lärms, der ihr den Schlaf raubte.

00:08:58: [Musik]

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Über diesen Podcast

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Bei uns dreht sich alles um den echten Polizeialltag, mit echten Cops am Mikro. Deswegen ist das hier auch kein stinknormaler Podcast, sondern ein COPCAST! Unsere Moderatoren Marc und Benjamin, Polizisten mit Leib und Seele, zögerten keine Sekunde, als sie ihr nächster Einsatz ans Mikrofon führte.
Getreu dem Motto „Kein Gelaber - alles echt“ kommen Marc und Benjamin mit Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Bereiche ins Gespräch und geben dir authentische Einblicke in die Vielseitigkeit des Polizeiberufs. Egal ob Mordermittlung, SEK, Flieger- oder Hundestaffel - wir haben sie alle hier bei KUGELSICHER!

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